Manche Menschen gehen ihren Weg nicht geradeaus entlang der breiten Strassen. Sie bewegen sich eher am Rand, beobachten, denken nach und bauen sich ihre eigene kleine Welt aus Gedanken, Erfahrungen und Träumen auf.
Oft gelten solche Menschen als eigenwillig oder schwierig. Vielleicht nur deshalb, weil sie nicht alles übernehmen, was andere selbstverständlich finden. Sie denken anders, fühlen anders und stellen Fragen, wo andere längst aufgehört haben zu fragen.
Das bedeutet nicht, dass sie falsch liegen.
Paul Watzlawick sagte einmal:
„Der Andersdenkende ist kein Idiot, er hat sich eben eine andere Wirklichkeit konstruiert.“
Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich diesen Satz. Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte in sich. Erlebnisse, Hoffnungen, Enttäuschungen und Sehnsüchte formen den Blick auf die Welt. Deshalb sehen nie alle Menschen dieselbe Wirklichkeit.
Manche brauchen Sicherheit und klare Regeln. Andere brauchen Freiheit, Zwischenräume und die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu gehen. Gerade diese Menschen wirken oft still, zurückgezogen oder schwer verständlich. Doch häufig sind es genau sie, die Neues entstehen lassen.
Sie erschaffen sich ihre eigene Welt — nicht aus Arroganz, sondern weil ihre Seele dort atmen kann.
Vielleicht braucht es mehr Mut, anders zu sein, als einfach mitzuschwimmen. Denn wer seinen eigenen Weg geht, muss auch damit leben, nicht immer verstanden zu werden.
Und trotzdem lohnt es sich.
Denn irgendwo zwischen Anpassung und Eigenwilligkeit entsteht oft etwas Echtes: ein Gedanke, ein Bild, Musik, ein Traum oder einfach ein Leben, das sich richtig anfühlt.
Vielleicht sollten wir deshalb vorsichtiger urteilen über Menschen, die anders denken als wir. Vielleicht tragen gerade sie Farben in sich, die der Welt sonst fehlen würden.

1 Kommentar:
Der in Kalifornien lebende Paul Watzlawick wurde 1921 in Villach (Östrreich) geboren und verbrachte dort Kindheit und Jugend. Er ist als Bestsellerautor von Sachbüchern, als Psychotherapeut und als Kommunikationswissenschafter bekannt. Er studierte in Venedig Philosophie und moderne Srachen. Nach Abschluss dieser Studien wurde der junge Doktor phil. am C.G. Jung-Institut in Zürich zum Psychotherapeuten ausgebildet und betrieb anschliessend eine eigene Therapie-Praxis. Im Jahr 1957 folgte er zunächst dem Ruf an die Universität von El Salvador. 1960 holte ihn der Psychotherapeut Don D. Jackson nach Palo Alto (Kalifornien), wo Prof. Watzlawick am Mental Research Institute tätig war. Seit 1976 lehrte er auch an der Stanford University in Palo Alto in Californien. Im Moment hält sich Watzlawick wieder Mental Research Institute in Palo Alto auf.
Erstmals in Erscheinung trat Watzlawick im Jahre 1969 mit der Arbeit "Menschliche Kommunikation", einem Werk, in dem er gemeinsam mit Don D. Jackson und J. H. Beavin die Grundmuster von Kommunikations-Strategien aufdeckte. Dann folgten "Lösungen" (1974), "Wie wirklich ist die Wirklichkeit" (1977), "Die Möglichkeit des Anders-Seins" (1977), "Anleitung zum Unglücklich-Sein" (1983), "Vom Schlechten des Guten" (1986).
Mehr zu Paul Watzlawick unter:
http://rhetorik.ch/Aktuell/07/04_15/index.html
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