29.05.2016

Segelfug


Lautlos glitt ich mit dem Segelflieger durch die Abendluft. Unter mir lag das Tal, eingebettet zwischen dunkler werdenden Hügeln. Die letzten Sonnenstrahlen streiften die Dächer der Häuser und tauchten die Landschaft in ein warmes Gold, während sich die Schatten langsam ausbreiteten.

Dort oben war alles ruhig. Kein Lärm, keine Stimmen, keine Hast. Nur das leise Pfeifen des Windes an den Tragflächen und das Gefühl, getragen zu werden.

Von oben wirkte die Welt anders. Die Strassen, auf denen Menschen sich oft wichtig nahmen, erschienen wie feine Linien. Die Häuser, hinter deren Mauern gelacht, geweint, gestritten und gehofft wurde, wirkten klein und still. Ich fragte mich, wie viele Menschen dort unten gerade glaubten, ihre Sorgen seien unüberwindbar, während sie aus der Höhe betrachtet nur ein winziger Teil eines viel grösseren Bildes waren.

Ich liebte diesen Perspektivenwechsel.

Im Alltag begegnete ich oft Menschen, die laut waren, sich in den Vordergrund drängten oder um Aufmerksamkeit kämpften. Von oben aber verlor all das seine Bedeutung. Der Mensch, der sich mächtig fühlte, war genauso klein wie jener, der still seinen Weg ging. Die Welt machte keinen Unterschied zwischen ihnen.

Ein Schwarm Vögel zog unter mir vorbei. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, nicht Beobachterin zu sein, sondern selbst Teil dieser stillen Freiheit. Keine Bühne. Keine Erwartungen. Kein Müssen.

Ich dachte an die vielen Wege, die Menschen gehen. Manche kämpfen sich verbissen durchs Leben, als müssten sie ständig etwas beweisen. Andere ziehen sich zurück, weil sie nie wirklich verstanden wurden. Und dann gibt es jene wenigen, die gelernt haben, ihren eigenen Kurs zu fliegen — unabhängig davon, ob andere ihn verstehen.

Vielleicht war genau das der Grund, weshalb ich das Fliegen liebte.

Hier oben sah ich nicht nur die Welt anders. Ich sah auch mich selbst klarer.

Ich erinnerte mich daran, wie oft ich im Leben zwischen den Welten stand. Nie ganz mitten im Geschehen, eher daneben. Beobachtend. Wahrnehmend. Während andere laut diskutierten, nahm ich Zwischentöne wahr. Während manche nur das Offensichtliche sahen, spürte ich Stimmungen, Unsicherheiten und unausgesprochene Gedanken.

Der Segelflug lehrte mich etwas Wichtiges: Nicht der Motor trägt dich durchs Leben, sondern das Gespür für die unsichtbaren Strömungen.

Wer nur mit Kraft vorwärtskommen will, wird irgendwann müde. Doch wer lernt, die Luft zu lesen, den richtigen Moment abzuwarten und sich tragen zu lassen, kommt oft weiter — leiser, aber nachhaltiger.

Langsam verdunkelte sich das Tal. Die ersten Lichter begannen zu leuchten. Kleine Inseln der Wärme in der hereinbrechenden Nacht.

Zeit für die Landung.

Ich setzte zum Sinkflug an. Ruhig. Kontrolliert. Die Welt wurde wieder grösser, detailreicher, lauter. Doch etwas von der Stille dort oben blieb in mir zurück.

Vielleicht braucht jeder Mensch manchmal Abstand, um die Welt wieder richtig sehen zu können.

23.03.2016

Anstrengung wird erst dann in vollem Mass belohnt,
wenn ein Mensch sich weigert aufzugeben...

Napoleon Hill gilt als der Vater der persönlichen Erfolgsliteratur. Zum ersten Mal in Buchform findet sich hier eine Serie von Artikeln, die Hill zwischen 1919 und 1923 veröffentlicht hat. Napoleon Hill, der selbst in sehr ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, beschäftigte sich zeitlebens leidenschaftlich mit dem Rezept für bzw. der Erreichung von persönlichem und finanziellem Erfolg. Dafür studierte und interviewte er im Auftrag des Stahl-Tycoons Andrew Carnegie über 500 der berühmtesten und reichsten Personen seiner Zeit, u. a. Henry Ford, Thomas Edison, Alexander Graham Bell und John D. Rockefeller. Basierend auf diesen Interviews entwickelte Hill seine Erfolgsphilosophie - eine Philosophie, die von ihrer Aktualität und Anwendbarkeit seitdem nichts eingebüßt hat. Sie fand Eingang in seine in diesem Buch veröffentlichten Artikel - kleine aber feine Goldstücke unschlagbarer Weisheit: inspirierend, motivierend und zeitlos. Die goldenen Regeln beschäftigen sich mit Themen wie: Suggestion, Selbstvertrauen und der Kraft des Geistes.

Viele seiner Gedanken wurden in den folgenden Jahrzehnten immer wieder von späteren Autoren aufgegriffen und neu verpackt. Das Original ist und bleibt aber das Beste.

19.01.2016

"Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts!"
Johann Wolfgang von Goethe

22.12.2015

Warum sagen wir von den Sternen ...


Warum sagen wir von den Sternen, dass sie im Raum schweben, aber von den Fischen, dass sie im Wasser schwimmen? Doch wohl deshalb, weil zwischen den Fischen Wasser ist, während zwischen den Sternen nichts ist als eben Zwischenraum.
Den Gedanken, so zu tun, als ob etwas da wäre, wo in Wirklichkeit nichts ist, hat Christian Morgenstern in seinem Gedicht vom Lattenzaun festgehalten:

"Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum hindurchzuschaun.
Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -
und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein grosses Haus.
Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.
Ein Anblick grässlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein."

14.10.2015

Unbekümmert ...

Von allen die auf Erden ich gekannt,
ich nur zwei Arten von Menschen glücklich fand:
Den, der das Geheimnis der Welt tief erforscht,
und den, der nicht ein Wort davon verstand.
(Omar, der Zeltmacher)

Einer der vielen Weisen ist der Narr. Der Narr lässt sich nicht bewerten. Die Zahl 0 ist ihm zugeordnet. Er kümmert sich nicht um das Urteil anderer. Er ist frei von Vorurteilen und Voraus-Sorgen. Probleme kennt er nicht, denn die lösen sich dann schon, wenn die Zeit dazu gekommen ist.
Als Narr wird in unserer nach Sicherheit, Leistung und Konkurrenz orientierten Gesellschaft jemand genannt, der im Hier und Jetzt lebt, der das Morgen auf sich zukommen lässt, weil er weiss, das das Morgen auch zum Jetzt wird.
Versuchen Sie einmal, durch eine belebte Strasse zu gehen und dabei zu singen und zu tanzen, zu lachen und zu jauchzen. Sie werden sehr merkwürdige Reaktionen auf Ihr narrenhaftes Verhalten ernten. Und doch gibt es eine Zeit im Jahr, in der es legitim ist, ein Narr zu sein, wo man unter Umständen sogar unangenehm auffällt, wenn man keiner ist; der Karneval oder die Fasnacht. Es ist sehr wichtig und gut, dass es diese Zeit gibt, in der man all das herauslassen kann, was man vielleicht das ganze Jahr über unterdrücken musste.
Der Narr ist auch Sinnbild für die Unschuld. In vielen Märchen ist es der Unschuldige, der vermeintlich Tolpatsch, der schlussendlich die Königstochter bekommt und König wird.



18.02.2015

Schafe.....

Um ein tadelloses Mitglied 
einer Schafherde sein zu können, 
muss man vor allem ein Schaf sein.
Albert Einstein, 1879–1955; deutsch-US Physiker

Sheep Grazing, New Zealand

28.03.2014

All-Ein-Sein

Foto: Mary Nesnidal (c) Garten Modern Music School

Viele Menschen haben Angst vor dem Alleinsein. Sie fühlen sich nicht, wenn sie alleine sind. Sie brauchen ständig Menschen um sich, um sich überhaupt am Leben zu fühlen. Aber das Alleinsein kann auch ein Segen sein.

In der Einsamkeit spüre ich, was mein Menschsein eigentlich ausmacht, dass ich an allem teilhabe. 
Wenn der Engel des Alleinseins mich an die grundlegende Erfahrung des Alleinseins hineinführt, dann schwindet die Angst vor der Einsamkeit und dem Alleingelassensein. 
Ich spüre, dass dort, wo ich alleine bin, mit allem eins bin. 
Ich erfahre Alleinsein nicht als Vereinsamung, sondern als Heimat, als Daheimsein. 
Daheim sein kann man nur, wo das Geheimnis wohnt.
Das kleine Buch vom wahren Glück - Anselm Grün

22.03.2014

Die beste und sicherste Tarnung.....

Die beste und sicherste Tarnung 
ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. 
Die glaubt niemand.
Max Frisch, Schriftsteller

03.08.2013

Zuverlässigkeit ist eine....

Zuverlässigkeit ist eine Tugend, 
die jeder lernen kann.
Picture Berglialp Engi GL (c) Mary Nesnidal

01.08.2013

Etwas Einzigartiges lässt sich nicht Duplizieren

Etwas Einzigartiges 
lässt sich nicht Duplizieren.

Denn das Geheimnis der Einzigartigkeit 
liegt im Detail der Kleinigkeiten. 

Oberflächlich betrachtet 
scheint eine Kopie dem Original gleich, 
bei genauerem Hinsehen jedoch 
entdeckt man die kleinen feinen Unterschiede. 

So ist jeder Berg, jeder Baum
jeder Vogel und jeder Mensch
für sich - einzigartig.

Man findet keinen gleichen Berg oder Stern
an einem anderen Ort wieder, 
und so ist das Original immer dort,
wo es steht, 
wo es leuchtet, 
wo es ist.

Mary Nesnidal
Glärnisch - Glarus Süd - (c) Mary Nesnidal

Manchmal begegnet man Menschen, Gedanken oder Augenblicken, die sich nicht erklären oder festhalten lassen. Gerade das macht sie wertvoll.

In einer Welt, in der vieles bewertet, verglichen und ersetzbar geworden ist, berührt mich der Gedanke, dass etwas wirklich Einzigartiges sich nicht kopieren lässt. Es entzieht sich dem schnellen Urteil, der Norm und oft auch den Erwartungen anderer Menschen.

Vielleicht liegt wahre Schönheit genau darin:
im Unperfekten, Leisen und Echtem.

Einzigartige Menschen gehen oft ihren eigenen Weg. Nicht immer laut, nicht immer sichtbar, aber mit einer inneren Haltung, die sich nicht verbiegen lässt. Sie hinterlassen Spuren — nicht weil sie sich in den Vordergrund drängen, sondern weil sie echt sind.

Auch Gedanken und Gefühle gehören dazu. Manche Augenblicke lassen sich nicht festhalten, ohne dass sie ihren Zauber verlieren. Wie ein Schmetterling, den man bewundert, solange er frei fliegt.

Vielleicht sollten wir nicht versuchen, alles festzuhalten oder einzuordnen. Vielleicht genügt es manchmal, etwas einfach zu erkennen, zu fühlen — und dankbar zu sein, dass es existiert.

Mary Nesnidal